München im Mai 2022

Neuer Risikofaktor für zweiten Schlaganfall identifiziert: Prof. Dr. Tobias Saam leitet Studie zu sogenannten komplizierten Karotisplaques

Allein in Deutschland erleidet alle zwei bis drei Minuten ein Patient einen Schlaganfall – das bedeutet über 260.000 Schlaganfälle pro Jahr. Das Problem: In bis zu 30 Prozent der Fälle bleibt die Schlaganfallursache auch bei ausführlicher Diagnostik ungeklärt. Nun hat ein Team namhafter Mediziner einen wichtigen Risikofaktor für einen erneuten Schlaganfall identifiziert, sogenannte komplizierte Plaques in der Halsschlagader. Die Studie wurde geleitet von Prof. Dr. Martin Dichgans (Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung am Klinikum der Universität München) und Prof. Dr. Tobias Saam, Facharzt für Radiologie und Partner im Praxisverbund DIE RADIOLOGIE.

Das Medizinerteam hat im Rahmen der Studie 196 Patientinnen und Patienten beobachtet, die bereits einen Schlaganfall erlitten hatten. Ihr Schicksal wurde über drei Jahre nachverfolgt. Die Frage: Welche Patienten würden eine erneute Durchblutungsstörung des Gehirns erleiden – und könnten die komplizierten Plaques ein Grund dafür sein? Das Ergebnis: „Patientinnen und Patienten mit unbekannter Schlaganfallätiologie und komplizierter Plaque haben gegenüber Patienten ohne eine solche komplizierte Plaque ein 5,6fach erhöhtes Risiko für einen erneuten Schlaganfall oder eine transiente ischämische Attacke – kurz TIA“, sagt Prof. Dr. Tobias Saam. Die neue Studie bestätigt damit Daten einer 2020 von der gleichen Autorengruppe publizierten Meta-Analyse, die bei Vorliegen einer Plaqueeinblutung bei symptomatischen Patienten (also Patienten mit aktuellem Schlaganfall) ein 10,2fach erhöhtes Risiko für einen erneuten Schlaganfall und bei asymptomatischen Patienten ein 7,9fach erhöhtes Risiko für einen erneuten Schlaganfall nachweisen konnten.

Die Erkenntnisse aus der Studie können künftig für die Früherkennung genutzt werden. „Komplizierte Karotisplaques lassen sich mit moderner Technik zuverlässig mittels nicht-invasiver MRT nachweisen“, so Prof. Dr. Tobias Saam. Auch unsere Patientinnen und Patienten im Praxisverbund DIE RADIOLOGIE können von der bildgebenden Methode zur Erkennung komplizierter Plaques profitieren. Bereits jetzt wird diese Untersuchung an unserem Standort in Rosenheim angeboten, weitere Standorte sollen folgen.“

Zur Studie wurde kürzlich unter dem Titel „Complicated Carotid Artery Plaques and Risk of Recurrent Ischemic Stroke or TIA“ ein Fachartikel im renommierten Journal of the American College of Cardiology veröffentlicht: 
https://www.sciencedirect.com/journal/journal-of-the-american-college-of-cardiology